Aktuelle Ausstellung

Gaby Bergmann und Paolo Moretto

 

„... aus der Schreibmaschine quillt der Himmel/ Far capolino ...”

 

Vernissage: 26.05. um 18 Uhr

 

Ausstellungsdauer: 26.05. bis 22.06.2018

 

Metalepse / Metalessi

Wenn ein Kunstwerk seine eigene Realität als erfunden ausstellt, kommt man als Betrachter doch ein wenig durcheinander. Der französische Literaturwissenschaftler Gerard Genette hat für dieses Phänomen den Begriff ‚Metalepse‘ gefunden. Er meint damit einen „narrativen Kurzschluss“, also eine Erzählung, die von ihrer eigenen Entstehung erzählt – oder ein Bild, das den Maler beim Malen genau dieses Bildes zeigt.

 

Die Hamburger Künstlerin Gaby Bergmann und der in Hamburg lebende, aus Verona stammende Künstler Paolo Moretto haben ihre Gemeinschaftsausstellung „Metalepse / Metalessi“ betitelt. Ihre Arbeiten spielen mit der Wahrnehmung ihrer Betrachterinnen und Betrachter. Sie reflektieren ihr Material und die Herstellungsweise, indem sie als Collagen das typische Erscheinungsbild von Polaroid-Bildern zitieren. Oder indem eigene Kunstwerke als Teil der Welt erscheinen, die es doch nur im Bild gibt. 

Hinter diesen Zitaten steckt eine kritische Neugier: die Arbeiten in der Ausstellung fragen nach der Zuverlässigkeit von Wahrnehmung und danach, ob wir selbst immer ganz in der Realität stehen, wenn wir ein Kunstwerk betrachten und es zu erfassen suchen.

 

Sowohl Gaby Bergmann als auch Paolo Moretto beziehen Schrift in ihre Arbeiten ein. Nicht nur tragen sie Titel, sie zitieren Gedichte, zeigen Schreibszenen oder Schriftzüge auf Gegenständen. Neben ihrer Funktion als Kommunikationsmedium ist die Schrift dabei Bildzeichen, ist ihre Form, ihre Farbe, ihre Position in der Bilderfindung ein Hinweis darauf, dass sie nicht nur meint, was ihre Worte – wenn man sie denn lesen kann – sagen. Vielmehr stellt die Schrift eine enge Verbindung mit anderen Künsten, mit anderen Autoren her, die auf einmal zum Teil der erfundenen Bildwelt werden.

 

Wie offen, oder wie versteckt erfinden wir eigentlich neue Realitäten, wenn wir sprechen?

Welchen Botschaften können wir vertrauen, wenn doch schon unsere grundlegende Verständigung immer auch eine neue Erfindung von vermeintlicher Realität ist? 

 

Den Riss in der Realität des Kunstwerks, der seine Konstruktionsbedingungen zeigt, stellen Gaby Bergmann und Paolo Moretto auch in Collagen und Skulpturen aus. An ihnen sind die Überlagerungen und Verbindungen verschiedener Elemente besonders deutlich sichtbar, entstehen die Formen überhaupt erst dadurch, dass sie verbunden werden, ohne doch noch im ursprünglichen Zusammenhang zu stehen oder ‚ganz‘ zu sein. Sie erscheinen als abgeschlossene Arbeiten und zeigen, wie sehr es die Entscheidung der Künstlerin und des Künstlers war, sie als abgeschlossen anzusehen – und wie sehr wir sie als fertig wahrnehmen, obwohl sie doch noch fortgesetzt werden könnten.

 

Wiederkehrende Elemente verbinden die Arbeiten der beiden Beteiligten, sie greifen ineinander und verweisen auf Formgebung und Austausch. Dabei bleiben doch auch Stil und Präferenzen von Gaby Bergmann und Paolo Moretto erkennbar. In der Spannung zwischen Abstraktion und Figürlichkeit entwickeln beide eigene Formen, die in Reibung und Dialog treten.

 

Die Ausstellung „Metalepse / Metalessi“ fordert ihre Besucherinnen und Besucher heraus, auch den Ausstellungsraum im Blick zu behalten, ihn nicht nur als Rahmen, sondern auch als Teil der Inszenierung zu verstehen. Wenn wir uns beim Betrachten von Kunst beobachten, vielleicht erkennen wir dann etwas mehr über die Unsicherheiten in unserem Welt- und Kunstverständnis? Die Ausstellung lädt dazu ein, das zu erfahren.